Eine Zwischenbilanz
Aachen - am nördlichen Rand der Ardennen und der Eifel, direkt an der holländischen und belgischen Grenze gelegen - ist vor allem durch seine historische Altstadt mit dem sehenswerten Dom bekannt. Die Stadt mit 262.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist aber auch Sitz der größten Technischen Hochschule Deutschlands, Kur- und Bäderstadt und führende Turnierstadt im Pferdesport. Seit 1992 ist Aachen "Ökologische Stadt der Zukunft". Handlungsschwerpunkt des Modellvorhabens ist neben der Energie- auch die Verkehrs-politik. Hier hat sich die Stadt durch das Innenstadtkonzept bereits einen Namen gemacht. Weitere Bausteine zur Förderung des Umweltverbundes sind der Ausbau der Busverkehrs ein innovatives Regionalbahnkonzept, ein City-Logistik-Projekt und natürlich die Förderung des Radverkehrs.
Planungsgeschichte und Zielvorstellungen
Die in Aachen durchgeführten und geplanten Radverkehrsmaßnahmen sind in ein Gesamtkonzept integriert, das darauf abzielt, den Verkehr stadt-, umwelt- und sozialverträglich abzuwickeln. Handlungsfelder sind die Verbesserung der Situation für Fußgänger, die Förderung des Radverkehrs, die Bevorzugung des Busverkehrs und die Reduzierung des Kfz-Verkehrs. Bereits der 1990 in Auftrag gegebene Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Aachen enthält als integrierten Bestandteil einen Radverkehrsplan, der das Aachener Radverkehrsnetz auf Netzlücken hin analysiert und ein Wunsch-Bedarfsnetz vorgibt. Schon 1991 stellte die Stadt ein Sofortprogramm auf mit Maßnahmen, die mit geringem Aufwand zügig realisiert werden konnten. Darauf aufbauend entstand das zentrale Arbeitsprogramm: ein Maßnahmenkonzept, das die Realisierung aller zum Netzschluß erforderlichen Wege beinhaltet. Das Konzept enthält verschiedene bauliche Kategorien, schlüsselt die Problemlagen auf und macht Vorschläge für dringliche Maßnahmen. Zu den Bestandteilen des Radverkehrsplans zählen auch ein Routennetz und Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Aktuell wird der Maßnahmenplan überarbeitet.
Örtliche Handlungsschwerpunkte
Neue Radverkehrsanlagen
Insbesondere an den Hauptverkehrsstraßen, wie beispielsweise am Alleenring, wurden die Radverkehrsanlagen in den vergangenen Jahren nach und nach ausgebaut. In Wohngebieten sind flächendeckend Tempo 30-Zonen eingeführt, der Radverkehr wird hier mit dem Kfz auf der Fahrbahn geführt. In Abhängigkeit von der speziellen örtlichen Situation wurden unterschiedliche Radverkehrsanlagen realisiert:
- In Aachen gibt es zur Zeit 96,5 Kilometer selbständig geführte Radwege bzw. getrennte oder gemeinsame Fuß- und Radwege, weitere 10 Kilometer sind geplant. Darüber hinaus sind 104 Kilometer Wald- und Wirtschaftswege für den Radverkehr freigegeben. Ein kostenintensiver Neubau erfolgt primär außerhalb bebauter Ortslagen und im Verlauf wichtiger Freizeitrouten, die in den Außenbezirken auch Verbindungsfunktionen übernehmen können. Hier ist vor allem der Radweg über die Alte Vennbahntrasse, eine heute größtenteils stillgelegte Bahnstrecke, zu nennen, der 2005 um weitere 3 Kilometer in den Voreifelraum ergänzt wurde.
- Darüber hinaus hat die Stadt Aachen - vor allem im Hauptstraßennetz - schon über 14 Kilometer Radfahrstreifen und Schutzstreifen markiert.
- Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Gestaltung von Knotenpunkten. Punktuelle Maßnahmen sollen die Querungsmöglich-keiten verbessern, das Abbiegen der Radfahrer erleichtern und die Radfahrer vor abbiegenden Kraftfahrzeugen schützen. Dazu zählt auch eine radverkehrsgerechte Signalisierung. An Kreuzungen und Einmündungen - wie etwa am Knoten Vaalser Straße/Halifaxstraße/Amsterdamer Ring - soll der Radverkehr grundsätzlich auf der Fahrbahn geführt werden, um den Sichtkontakt mit dem Kfz-Verkehr zu verbessern.
Verkehrsregelungen für den Radverkehr
Nach dem Grundsatz "Konsequente radverkehrsfreundliche Auslegung der Straßenverkehrsordnung und modellhafter Einsatz von Ausnahmeregelungen" setzt die Stadt Aachen auf folgende Maßnahmen:
- Hauptradrouten, auf denen der Radverkehrsanteil bedeutend ist und auch mittel- bis langfristig überwiegt, sollen hinsichtlich der Einrichtung von Fahrradstraßen überprüft werden. Auf der wichtigen Verbindung zwischen Fachhochschule und Stadtzentrum mit einem über 30 %-igen Radverkehrsanteil bzw. fast 2000 Radlerinnen und Radlern pro Tag entstanden 1994 die ersten Aachener Fahrradstraßen.
- Alle Einbahnstraßen werden hinsichtlich der vorgegebenen StVO-Kriterien überprüft und nach Möglichkeit in Gegenrichtung für den Radverkehr geöffnet. Dies geschieht in der Regel ohne baulichen Aufwand. Bereits vor der StVO-Änderung wurden die Einbahnstraßen Mauerstraße, Neupforte und Markt modellhaft freigegeben. Aachen nahm damit im Regierungsbezirk Köln eine Vorreiterrolle ein. Verkehrszählungen und Unfallbilanzen bestätigen die positiven Erfahrungen. Heute sind 75 Einbahnstraßen geöffnet. Damit sind fast alle Einbahnstraßen in das freigegebene Radnetz übernommen.
Freizeitroutennetz
Neben dem Radverkehrsnetz für den Alltagsverkehr entwickelte die Stadt ein Radroutennetz für den Freizeitverkehr, das alle bedeutenden überregionalen Radwanderwege berücksichtigt. So zum Beispiel die Kaiser-Karl-Route Aachen - Paderborn, die Zwei-Länder-Route Aachen - Nijmegen, die Internationalen Kulturrouten des Landschaftsverbandes Rheinland und die holländische "Landelijke Fietsroute".
Der Aufbau des Freizeitroutennetzes ist denkbar einfach: 16 Radialrouten führen von der Stadtmitte in die Außenbezirke und werden durch zwei Rundstrecken - eine innere und eine äußere "Aachen-Runde" - miteinander verbunden. Die fahrradfreundlichen Strecken mit einer Gesamtlänge von 230 Kilometern werden seit 1994 nach und nach ausgeschildert, damit sie auch ohne Karte problemlos zu finden sind.
Ruhender Radverkehr
Die Stadt Aachen bietet zur Zeit über 1000 Abstellplätze an Fahrradbügeln im öffentlichen Straßenraum an. Nach dem Grundsatz, "ein ausreichendes und dezentrales Angebot von stabilen und sicheren Fahrradabstellanlagen zu schaffen", kommen jedes Jahr weitere Bügel hinzu. Bei größerem Bedarf werden auch einzelne Kfz-Parkplätze in Stellplätze für Fahrräder umgewandelt. An wichtigen Verknüpfungspunkten von Bus und Fahrrad soll durch die Einrichtung von Bike + Ride-Anlagen der Umweltverbund gefördert werden. Derzeit existieren 13 wettergeschützten Abstellanlagen. Für 2007 ist die Errichtung einer Fahrradstation am Aachener Hauptbahnhof mit ca. 190 Abstellplätzen geplant. Mit dem Kreis Aachen ist ein Programm zur Errichtung von Fahrradboxen an allen Bahnhöfen und Haltepunkten in Stadt - und Kreisgebiet geplant.
Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit zählt zu den Schwerpunkten der Aachener Radverkehrsförderung. Schon in der Entwurfsphase des Radverkehrsplans starteten die ersten Projekte und Aktionen:
- Zur Bekanntmachung des Freizeitroutennetzes wurde 1994 eine Routennetzkarte erarbeitet und in einer ersten Auflage von 5.000 Exemplaren kostenlos verteilt. Die aktualisierte zweite Auflage von Juni 1995 wurde privatwirtschaftlich hergestellt und ist zusammen mit einer Animationsbroschüre als "Aachener Fahrradtourenpaket" käuflich zu erwerben.
- In der Broschüre "Fahrrad, fertig, los! 10 Gründe, das Fahrrad aus dem Keller zu holen" informierte das Amt für Verkehrsanlagen Mitte 1994 über die ersten umgesetzten Maßnahmen und weitere geplante Schritte auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt. Zeitgleich startete die Stadt eine große Plakatkampagne. Die Plakate im DIN A 0-Format zeigen drei unterschiedliche Radverkehrsmotive und animieren zur stärkeren Nutzung des Rades.
- Seit 1995 findet jährlich der "Aachener Fahrradsommer" statt. Die Stadt organisiert dabei ein Rahmenprogramm zum Freizeitradfahren. Eine thematische Rundroute wird als Fahrradsommerroute in der Zeit von Juni bis September ausgeschildert. Über die jeweilige Route informiert ein "Tourentip". Zusätzlich bietet die Stadt geführte Radtouren an. Zahlreiche Aktionen wie ein Fahrradsommerrätsel, ein Fotowettbewerb mit attraktiven, vom örtlichen Fahrradhandel gestifteten Preisen, eine Auftaktveranstaltung mit Prominenten, der Fahrradaktionstag "Rund um´s Rad", Gebrauchtradmärkte und eine Fahrradschrottaktion runden das Programm ab. Ausführliche Informationen dazu gibt´s im Fahrradsommerkalender (Auflage 10.000 Stück), der zudem ein Tourenprogramm der Aachener Fahrradvereine enthält. Themen der Fahrradsommertouren: 1995: Die innere Aachen-Runde 1996: Von Hof zu Hof... 1997: Der Öcher Bösch 1998: Aachen - Stadt des Wassers 1999: Mit Kindern unterwegs 2000: Sonne - Wasser - Wind 2001: Zwischen Moltkebahnhof und Bahnhof Kornelimünster 2002: Zwischen altem und neuem Tierpark 2003: Der Balaustein 2004: Avantis - Route 2005: Die Vennbahnroute 2006: Die Vallisroute Ziel aller Aktionen ist es, das große Potential an Freizeitradlern anzusprechen und diese auch für die Nutzung des Fahrrades im Alltag zu gewinnen.
- Weitere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen sind Ausstellungen ("Radfahren im Stadtverkehr", "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden"), Podiumsdiskussionen, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Weiterentwicklung des Radverkehrsnetzes oder Zeitvergleichsfahrten (Rad, Bus, Auto).
Ausblick
Um die Aachener Bürgerinnen und Bürger zu animieren, das Fahrrad im Alltag wie in der Freizeit noch stärker zu nutzen, soll die Öffentlichkeitsarbeit weiter intensiviert werden. Geplante Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur sind:
- der Aufbau einer Fahrradstation am Hauptbahnhof,
- die Errichtung von Fahrradboxen,
- die Beschilderung von sechs Fahrradrouten,
- die Beschilderung der Wasserburgen-Route Aachen - Bonn sowie des Freizeitroutennetzes des Naturparks Nordeifel
Aktuelles
AGFS unterstützt die Aktion "Stadtradeln"
Der Städtewettbewerb "Stadtradeln" des Klima-Bündnis lädt alle Mitglieder der Kommunalparlamente ein, als Vorbild für den Klimaschutz in die Pedale zu treten. Die AGFS findet: Das ist eine gute Sache und ruft alle nordrhein-westfälischen Kommunen auf, sich dieser Aktion anzuschließen.
AGFS unterstützt Stadtradeln"Fahrrad 2012". Die AGFS war vom 24.02 bis zum 26.02.2012 mit dabei.
Hier geht es weiter zur Messe.66. Mitglied
Der Kreis Warendorf ist das 66. Mitglied der AGFS. Die Aufnahme ist am 15.02. erfolgt.
Hier gibt es weitere Informationen.

