Eine Zwischenbilanz
Planungsgeschichte und Zielvorstellungen
Der Rat der Stadt Bielefeld hat in einem richtungsweisenden Beschluß vom 26. Januar 1995 ein deutliches Signal zur umfassenden Unterstützung umweltfreundlicher Verkehrsarten gesetzt: Mit einer Zielvorgabe des Modal Split von 60 Prozent zugunsten der Verkehrsträger des Umweltverbundes wird die Umkehrung der aktuellen Verkehrsmittelwahl (60 Prozent MIV/40 Prozent Umweltverbund) eingefordert. Das Votum des Stadtrates wurde im Rahmen der Vorstellung des Verkehrsentwicklungsplans im April 1996 nochmals bestätigt und im Hinblick auf den Radverkehr präzisiert. Auf dieser Grundlage beschloß der Ausschuß für Umwelt und Stadtentwicklung im November 1996, die Aufnahme ins Landesprogramm "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen" zu beantragen, städtische Mittel in Höhe von jährlich mindestens 600.000 Mark bereitzustellen und die Stelle eines Fahrradbeauftragten im Fachbereich Verkehr einzurichten. Gleichzeitig verpflichtete sich die Stadt Bielefeld auf folgende Ziele:
- Förderung von Mobilität und Wahlfreiheit
- Prioritätensetzung und kommunales Engagement
- Potentialausschöpfung im Radverkehr und Einsparung im Autoverkehr
- Fahrrad im Umweltverbund
- Radverkehrsanlagen nicht zu Lasten von Fußgängerflächen
- Fahrradfreundliche Verkehrsregelung
- Netzausbau, Netzverdichtung und Netzdifferenzierung
- Straßenumbau für schnellen Netzausbau
- Netzverdichtung und -ergänzung durch Verkehrsberuhigung
- Ausbau von Hauptradwegachsen
- Gestaltqualität
- Verkehrssicherheit
- Fahrradförderung mit System
- Bürgerbeteiligung, Öffentlichkeitsarbeit, Mitwirkung von Fahrradorganisationen
Örtliche Handlungsschwerpunkte
Organisatorische Rahmenbedingungen
Seit Februar 1997 gibt es in Bielefeld einen Fahrradbeauftragten. Seine Aufgabe ist die Wahrnehmung und umfassende Abstimmung aller radverkehrsrelevanten Belange. Er ist Ansprechpartner für Bürger, Politik und Verwaltung, er koordiniert die fachlichen Beiträge der Abteilungen und initiiert neue Projekte.
Der "Arbeitskreis Rad" - schon 1979 nach einem Beschluß des damaligen Planungsausschusses eingerichtet - begleitet alle Aktivitäten, die den Radverkehr berühren - vom Marketing bis zur Bauausführung. Er besteht aus Vertretern dreier Fahrradverbände bzw. Initiativen (GAFF - Gruppe aktiver Fahrradfahrer und Fußgänger, ADFC und Projekt "Radkultur"), der Polizei, den Nahverkehrsunternehmen und den zuständigen Fachämtern der Verwaltung.
Die Bezirksvertretungen haben interfraktionelle Arbeitskreise eingerichtet, die von der Verwaltung beraten werden und im Vorfeld politischer Beschlüsse Prioritäten für zukünftige Radverkehrsanlagen festlegen.
Seit 1983 existiert in Bielefeld eine Verkehrskommission. Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Straßenbaulastträger sind ständige Mitglieder dieses Gremiums, das bei Bedarf durch externe Berater ergänzt wird. Die Kommission beschäftigt sich mit aktuellen Alltagsproblemen im Straßenverkehr, zunehmend auch mit dem Radverkehr. Dabei stehen Sicherheitsaspekte im Vordergrund.
Netzplanung
Mit dem Radverkehrsplan, der zur Zeit fortgeschrieben wird, liegt seit 1989 eine umfangreiche Untersuchung über die Bielefelder Radverkehrsinfrastruktur und eine wichtige Grundlage für die weitere Netzplanung vor. Die mittelfristige Planung der Radverkehrsanlagen orientiert sich vor allem an diesem Plan, aber auch an der Unfallstatistik, den Prioritätenlisten der Bezirksvertretungen und den Empfehlungen des "Arbeitskreises Rad".
Bei der Umsetzung eines flächendeckenden Radverkehrsnetzes hat der Einsatz von Radfahr- und Schutzstreifen zu Lasten der Flächen des Kraftfahrzeugverkehrs Vorrang. Eine Netzverdichtung im Stadtgebiet durch verkehrsberuhigende Maßnahmen ist inzwischen weiträumig umgesetzt: Seit 1991 sind allein 105 Tempo 30-Zonen eingerichtet worden.
Abstellplätze für Fahrräder
Als eine der ersten Kommunen in Deutschland eröffnete die Stadt Bielefeld im Juli 1992 eine Fahrradstation. Das Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof bietet 388 Stellplätze. Radfahrerinnen und Radfahrer können hier ihr Rad für eine Mark pro Tag abstellen (12 Mark pro Monat bzw. 100 Mark pro Jahr). In die Fahrradstation sind ein Fahrradladen mit Reparaturwerkstatt, ein Fahrradkurierservice mit Fahrradverleih und das örtliche Büro des ADFC integriert.
Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des zentralen Bielefelder Verkehrspunktes, des Jahnplatzes, wurde eine besondere Bügelform für Fahrradabstellanlagen entwickelt. Inzwischen sind im Zentrum - und hier vor allem in den Eingangsbereichen zur Fußgängerzone - etwa 1.050 dieser neuen Bügel aufgestellt worden.
Zur Stärkung des Umweltverbundes entstanden zahlreiche Bike + Ride-Anlagen. An den Endpunkten der drei Stadtbahnlinien und an Haltestellen mit hohem Umsteigerpotential stehen bislang sieben Anlagen mit rund 450 Fahrradabstellplätzen zur Verfügung, 14 weitere mit insgesamt 582 Stellplätzen sind geplant. Auch an Bushaltestellen sollen Bike + Ride-Anlagen mit insgesamt 400 Stellplätzen entstehen.
Fahrradfreundliche Verkehrsregelungen
An vielen Lichtsignalanlagen im Bielefelder Stadtgebiet erhalten Radfahrerinnen und Radfahrer mit eigener Verkehrsfläche grundsätzlich zwei Sekunden Vorlauf gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr. Vorhandene Ampeln werden laufend erweitert. Neue Licht-signalanlagen sind mit einem eigenständigen Hilfssignal für indirekt linksabbiegende Radfahrer ausgestattet. In Sackgassen und bei Richtungsgeboten (vor allem bei Führungen gegen die Einbahnrichtung) gelten - soweit sicherheitsverträglich - umwegsparende Sonderregelungen.
Radwanderwege
In den vergangenen vier Jahren hat die Stadt Bielefeld zehn Radwanderwege ausgeschildert. Dabei haben die Bürgerinnen und Bürger tatkräftig mitgewirkt. Die Wege verteilen sich über das ganze Stadtgebiet und stellen eine sinnvolle Ergänzung zu den überregionalen Freizeitradwegen dar.
Verwaltungsinterne Maßnahmen
Bei der Stadtverwaltung stehen in verschiedenen Ämtern insgesamt 70 Diensträder zur Verfügung. Darüber hinaus kann die Nutzung privater Räder für Dienst-zwecke mit drei Pfennig pro Kilometer abgerechnet werden. Im Rathausparkhaus sind Abstellplätze für 60 Fahrräder geschaffen worden. Für Alltagsradler stehen in einzelnen Fachbereichen Duschen zur Verfügung.
Öffentlichkeitsarbeit
Von einer Marketing-Agentur unterstützt, startete die Stadt Bielefeld 1996 unter dem Namen "Aktion Mobil" eine umfassende Kampagne für den Umweltverbund. Sehr werbewirksam ist die begleitende Zeitung "MZ - Mobile Zeiten". Im Auftaktjahr der Kampagne fanden auf dem Jahnplatz vier in der Öffentlichkeit vielbeachtete Aktionstage statt. Anläßlich des bundesweiten Aktionstages "Mobil ohne Auto" wurde das Fahrrad bei einer "Sommerfete für Mobile" als umweltfreundlichstes Fortbewegungsmittel neben dem Fußverkehr "gefeiert". Im Rahmen der "Aktion Mobil" richtete die Stadt auch eine Hotline für Verkehrsfragen ein.
Seit 1987 gibt es in Bielefeld einen Stadtradplan, der von der GAFF herausgegeben und durch den ADFC, den VCD und die Stadt unterstützt wird. Dieser Plan, der laufend aktualisiert wird, informiert über die vorhandene Infrastruktur für Radfahrer, enthält aber auch Hinweise zu Verkehrsbelastungen, topografischen Hemmnissen und Verkehrsregelungen für den Radverkehr.
Ausblick
Die Anteile des Radverkehrs am Bielefelder Gesamtverkehr liegen mit acht Prozent (1994) auf einem Niveau, das erhebliche Entwicklungspotentiale vermuten läßt. Diese Potentiale sollen in den kommenden Jahren konsequent genutzt werden. Mut gemacht hat ein Besuch in Freiburg, wo trotz ähnlicher topografischer Hemmnisse wie in Bielefeld der Fahrradanteil am Gesamtverkehr in den letzten Jahren auf 21 Prozent gesteigert werden konnte.
Die finanziellen Voraussetzungen sind geschaffen: Im Rahmen des Investitionsprogramms stellte die Stadt Bielefeld für die nächsten fünf Jahre (1998 bis 2002) jährlich 600.000 Mark für die Förderung des Radverkehrs bereit. Damit soll das Radwegenetz von heute 320 auf rund 390 Kilometer im Jahr 2002 ausgebaut werden.
Mit der Aufnahme ins Programm "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen" im Februar 1998 ist die Hoffnung auf
- eine höhere Akzeptanz bei der Umsetzung innovativer Maßnahmen nach außen,
- positiven Druck für die Radverkehrsförderung nach innen (ideell und finanziell),
- regelmäßigen Informationsaustausch und mehr Innovationsbereitschaft sowie
- eine Priorisierung des Radverkehrs im Rahmen von Etatberatungen verbunden.
Aktuelles
AGFS unterstützt die Aktion "Stadtradeln"
Der Städtewettbewerb "Stadtradeln" des Klima-Bündnis lädt alle Mitglieder der Kommunalparlamente ein, als Vorbild für den Klimaschutz in die Pedale zu treten. Die AGFS findet: Das ist eine gute Sache und ruft alle nordrhein-westfälischen Kommunen auf, sich dieser Aktion anzuschließen.
AGFS unterstützt Stadtradeln"Fahrrad 2012". Die AGFS war vom 24.02 bis zum 26.02.2012 mit dabei.
Hier geht es weiter zur Messe.66. Mitglied
Der Kreis Warendorf ist das 66. Mitglied der AGFS. Die Aufnahme ist am 15.02. erfolgt.
Hier gibt es weitere Informationen.

